Archiv für November 2009

Durchs Netz gefallen

Sonntag, 15. November 2009

Irgendwann Mitte der Neunziger begann sich das Internet von einem belächelten Hobby von Computerfreaks zu einem Massenphänomen zu wandeln. Mittlerweile nutzen zwei Drittel der Deutschen die multimedialen Möglichkeiten im Netz.

Doch wie so oft frisst die Evolution ihre Kinder. Oder anders ausgedrückt: Einige Techniken und Applikationen, die noch zur Jahrtausendwende als „State of the Art” galten, sind heute völlig vom Markt verschwunden oder führen bestenfalls ein Dasein als Nischenprodukt. Wir möchten an dieser Stelle an fünf prominente Vertreter dieser Art erinnern.

Das Modem:
Erinnern sie sich noch an Zeiten, als Breitbandanschlüsse noch als Science Fiction galten und ISDN das höchste aller Gefühle war? Das „gute” alte Modem ist mit der Verbreitung von DSL so gut wie ausgestorben. Heute weint dem Modem keiner mehr eine Träne nach. War ja auch manchmal eine denkbar unpraktische Erfindung: Zum Telefonieren musste man jedes Mal offline gehen, um sich kurz darauf bei der Neueinwahl von R2D2-artigen Sounds berieseln zu lassen und dann im Schneckentempo weiterzusurfen. Immerhin gehören böse Dialer mit dem Ende der Modems ebenso der Vergangenheit an.

Blinkende gifs und Co.:
emailIn Zeiten des so genannten Web 1.0 sollten animierte Grafiken ein bisschen Dynamik in die damals oft sehr statischen Webseiten bringen. Wer denkt nicht wehmütig an fliegende E-Mails und pulsierende Herzchen zurück? Dass die so verzierten Seiten dadurch nicht unbedingt an Seriosität und Übersichtlichkeit gewannen, wurde als optischer Kollateralschaden hingenommen. Durch die Entwicklung selbst von Laien administrierbarer Content-Management-Systeme gehören solche unruhigen Gebilde mittlerweile der Vergangenheit an.

Geocities:
Eine Zeit lang war es Trend, eine Internetpräsenz bei dem kostenlosen Webhoster Geocities zu haben. Nach dem Baukastenprinzip konnten sich die User dort auch ohne HTML-Kenntnisse austoben. Neben gestalterischen No-Go’s wie Comic Sans, gestohlenen Jpegs und verbotenen Farbkombinationen, gab es unter anderem gescannte (!) Fotos von den eigenen Haustieren, Freunden und Familie und das obligatorische Gästebuch. Das Konzept ging zunächst auf: Yahoo kaufte Geocities 1999 für 4,58 Milliarden US-Dollar. Knapp zehn Jahre später blieben von den Geocities nur noch Geisterstädte. Yahoo knipste im Oktober endgültig das Licht aus.

Netscape:
Vor zehn Jahren stand man als Internetuser vor der Qual der Wahl: Internet Explorer oder Netscape Navigator. Die Browsersoftware, die später von AOL aufgekauft wurde, bot dem Konkurrenten von Microsoft anfangs paroli, doch musste sich irgendwann geschlagen geben. Den Luxus auf dem meistverbreiteten Betriebssystem vorinstalliert zu sein, konnten sich die Entwickler nicht leisten. Immerhin formierten sich die Entwickler in der Mozilla Foundation neu und machen dem Softwareriesen aus Redmond seitdem mit dem Firefox-Browser gehörig Konkurrenz.

Altavista:
Bis 1999 war Altavista das Maß aller Suchmaschinen-Dinge. Doch dann erschien das von Larry Page und Sergei Brin programmierte Konkurrenzprodukt wie aus dem Nichts auf der Online-Bildfläche. Der Rest ist Geschichte: Google revolutionierte das Web und auch die meisten Dienstleistungen von TRENDOMEDIA wären ohne das Unternehmen aus Mountain View, Kalifornien, kaum denkbar. Altavista ist zwar immer noch online - durch Googles aggressive Marktstrategien und seine Innovationsfreude ist der einstige Platzhirsch aber quasi vom Markt verdrängt worden.

von Christian Grobosch und Jens Harwath